Mineralöle in Verpackungspapieren

11.01.2012

Beinahe zwei Jahre ist es her, seit das Kantonale Labor Zürich mit seinen Veröffentlichungen zu den Übergängen von Mineralöl aus Kartonverpackungen für Aufsehen in der Branche sorgte. Als Hauptursache des Problems konnte mineralölhaltige Standarddruckfarbe identifiziert werden, aber auch mineralölbasierte Druckfarben, die für Tageszeitungen sowie Postwurfsendungen eingesetzte werden und als Altpapier in die Papier-, Karton- und Pappenherstellung gelangen. Neueste Erkenntnisse weisen auch daraufhin, dass aus Transportverpackungen oder anderen Umverpackungen Mineralöle auf verpackte Lebensmittel übergehen können (Querkontamination).

Nachdem das BMELV (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz)  zu einem ganzheitlichen Ansatz aufgerufen hat, zeigte die gesamte Lieferkette Bemühungen zur Verringerung der Mineralölübergänge beizutragen: So beschäftigte sich die Druck- und Verlagsindustrie mit der Entwicklung von mineralölfreien Zeitungsdruckfarben. Hier befindet man sich allerdings noch im Anfangsstadium. Andererseits prüfen Lebensmittelhersteller wiederum die Verwendung von Innenbeuteln mit geeigneter Barrierewirkung. Aufgrund hoher Investitionskosten in die Modifikation von Abpackstraßen und des Erfordernisses eines Luftaustausches für viele Lebensmittel erweist sich dieser Ansatz jedoch als schwierig. Die Möglichkeit einer getrennten Sammlung von Zeitungen erscheint aufgrund von Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung und in Gemeinden wenig durchführbar. Letztendlich scheidet auch eine nachträgliche Sortierung des Altpapiers aufgrund hoher Kosten und fraglicher Sicherheit als Alternative aus. Erste Erfolge verzeichnen vor allem Kartonproduzenten: Deutsche, österreichische, holländische und slowenische Hersteller verzichten auf den Einsatz von mineralölhaltigem Prozessmaterial während der Kartonproduktion. An dieser Stelle ist es wichtig festzuhalten, dass die Mineralölmigration nicht durch Verwendung von Frischfaserkarton oder die am häufigsten verwendeten Kunststofflösungen (PE Innenbeutel haben keinerlei Barrierewirkung) verhindert werden kann. Einerseits kann es zu Übergängen aus der Sekundär- bzw. Wellpappeverpackung kommen, anderseits können während der Lagerung der Verpackungen unerwünschte Stoffe übertragen werden. Ferner macht die Migration auch nicht am Point of Sale halt, so kann es zur Beeinflussung einer „sauberen“ Verpackung aus der Umwelt oder durch andere Verpackungen in den Einzelhandelsregalen kommen. Nur eine funktionelle Barriere kann als effektive Lösung angesehen werden. Dazu zählen entweder Innenbeutel aus modifiziertem Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET) bzw. Aluminium oder eine Barriereschicht, auf der den Lebensmitteln zugewandten Innenseite des Verpackungskartons. Eine solche Barriereschicht hat Mayr-Melnhof Karton unter dem Produktnamen „Foodboard“ auf den Markt gebracht.

FOODBOARDTM bietet einen wirkungsvollen Schutz gegen Mineralölmigration aber auch gegen andere Substanzen wie Benzophenone, Phthalate oder DIPN.

Durch die Applikation eines sorgfältig ausgewählten Barrierestoffs (alle Rohstoffe sind in Regulierung (EU) Nr. 10/2011 positiv gelistet) auf der Lebensmittelkontaktseite von Verpackungskartons wird dies erreicht. Die Funktionalität dieser Barriere wurde durch das Forschungszentrum für Stoffübergänge FABES, München, unter der Leitung von Herrn Dr. Piringer analysiert und bestätigt. Bei bestimmungsgemäßer Verwendung ermöglicht der neue Foodboard, dass Lebensmittel - unabhängig in welcher Kartonart (Frischfaser- bzw. Recyclingkarton) verpackt - sicher sind.

Der vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) genannte Grenzwert in Lebensmitteln von 0,6 mg/kg MOSH (gesättigte Kohlenwasserstoffe) ist in der letzten Fassung kein angestrebtes Limit mehr, vielmehr die Nachweisgrenze von <0,15 mg/kg MOAH (aromatische Kohlenwasserstoffe). Dieser Grenzwert, der mit der neuen Barriereschicht bei allen Analysen unterschritten wurde, soll dem Verordnungsvorhaben „22. Verordnung zur Änderung der  Bedarfsgegenständeverordnung“ (Mineralölverordnung) zu Grunde liegen. Tests konnten zudem beweisen, dass durch die Barriereschicht auch ein umfassender Schutz gegen Querkontamination aus Um- und Transportverpackungen gegeben ist. Dabei bleiben alle ökologischen Vorteile und kommerziellen Argumente einer altpapierbasierten Verpackungswirtschaft in vollem Umfang bestehen - Foodboard ist vollständig recycelbar und kompostierbar.

Grundsätzlich handelt es sich bei der Migration von Schadstoffen um keine neue Thematik.

Wurden bereits vor 15 Jahren DIPN (Diisopropylnaphthalin)-Befunde in Lebensmitteln, verpackt in Papier bzw. Karton aus Altpapier, bekannt und waren vor ca. 2,5 Jahren die Schlagworte DiPB (Diisobutylphthalat) und DBP (Dibutylphthalat) in aller Munde, konnte in den letzten Monaten ein starker Anstieg der Beanstandungen von Substanzen aus Druckfarben, besonders Photoinitiatoren aus dem UV-Druck, in Lebensmitteln verzeichnet werden.  

Auch im Falle der DiBP-Thematik konnte Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit der Industrie eine Lösung erzielt werden: Als Quelle des hohen DiBP-Gehalts konnten Weichmacher in Dispersionsklebstoffen identifiziert werden, die bei Faltschachtelverklebung, Leimkaschierung von Papier und Karton oder Bogenkaschierung von Wellpappe eingesetzt wurden. DiBP konnte sowohl direkt von Faltschachteln aus Frischfaser, wenn DiBP-haltige Klebstoffe verwendet wurden, auf Lebensmittel übergehen, gelangte aber auch wenn diese recycelt wurden, in die aus Altpapier hergestellten Lebensmittelverpackungen und im nächsten Schritt auf die darin verpackten Lebensmittel. Durch die Verwendung von DiBP-freien Klebstoffen konnte eine Reduktion des DiBP-Gehalts in Lebensmitteln erreicht werden, sodass der neue in Deutschland gültige Grenzwert eingehalten wird.

 

Im Sinne eines höchstmöglichen Verbraucherschutzes ist stets eine enge Zusammenarbeit unter allen Mitgliedern der Supply Chain gefordert – vom Kartonhersteller bis zum Einzelhandel.

42_Wellpappe_Nachrichten_Mineraloele_in_Verpackungspapieren_2012.pdf5.6 M